Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet starkes Übergewicht, auch Adipositas genannt, als globales Problem beziehungsweise als eine Besorgnis erregende Epidemie.
In Deutschland sind - laut der aktuellen Daten der Kinder- und Jugendgesundheitsstudien (www.rki.de) - 15 % der Kinder übergewichtig und 6,3 % adipös.
Adipositas wird mittels des Body-Mass-Index (BMI) definiert. Die Formel ergibt sich aus dem Körpergewicht in kg dividiert durch das Quadrat der in Meter gemessenen Körpergröße. Beispiel: Bei einer Körpergröße von 1,66 m und einem Gewicht von 64 kg würde sich ein BMI von 23 (64 kg : 1,66 x 2) ergeben. Bei Erwachsenen ist ein BMI von 20 bis 25 normal. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 spricht man von Übergewicht. Bei Kindern ist diese Berechnung nicht anwendbar. Hier muss man das Wachstum mit berücksichtigen. Deshalb benutzt man bei Kindern und Jugendlichen in der Regel die so genannte Perzentil- oder Wachstumskurve. Auf diese Weise wird anhand von geschlechtsspezifischen Alterstabellen der Body-Mass-Index ermittelt. Zum Beispiel ist ein fünfjähriges Mädchen mit einem BMI größer 17,8 übergewichtig und mit einem BMI größer 19,2 adipös; für einen Jungen liegen die Werte bei 17,6 respektive 19,0.
Bei Unsicherheiten sollte der Hausarzt oder Kinderarzt aufgesucht werden.
Die Ursachen der Adipositas sind unterschiedlich. Neben Vererbung hat die Forschung festgestellt, dass das familiäre und soziale Umfeld eines Kindes eine wichtige Rolle spielt. Zeitmangel der Eltern, ungesunde Ernährungsweisen, fehlende familiäre Strukturen, sowie ein reiz- bzw. bewegungsarmes Umfeld und ein mehrstündiger täglicher Fernseh- bzw. Computerkonsum kann zu Übergewicht bei Kindern führen.
Übergewichtige und adipöse Kinder haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Gelenkschäden, Stoffwechselstörungen, Hautprobleme und bestimmte Krebsformen. Zusätzlich zeigen sich oftmals durch Stigmatisierung und Ausgrenzung psychische Probleme. Viele adipöse Kinder sind emotional stark belastet. Ihre soziale Integration und sogar ihre spätere Berufsfindung sind erschwert.
Wie kann adipösen Kindern geholfen werden? Die Behandlungsprogramme setzen sich in der Regel aus drei Elementen zusammen.
1. Eine optimierte (kalorienreduzierte) gesunde Mischkost (viel Rohkost und Flüssigkeit), wenig Zucker.
2. Bewegung! Wesentlich dabei ist eine aktive Gestaltung des Alltags, wie etwa zu Fuß gehen, Fahrrad fahren, Treppensteigen oder im Freien spielen. Diese Vorgehensweise hat einen größeren Effekt auf die Vermeidung oder die Bekämpfung von Übergewicht als das organisierte Sporttreiben im Verein. Ziel ist es, die Freude und Spaß an der Bewegung dem Kind wiederzugeben.
3. Auswege aus dem Frustessen durch eine Therapie. Die besten Ergebnisse wurden bei Therapieprogrammen mit dem gleichzeitigen Einbezug der Eltern erzielt.
Wichtig bei der „Heilung“ ist es, den ursprünglichen Spieltrieb und die damit einhergehende Vitalität beim übergewichtigen bzw. adipösen Kind wiederzubeleben. Allerdings sollte durch eine (sport-) ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden, dass bei intensiver körperlicher Aktivität eine Gefährdung des Kindes droht.