„Das Dorf der 607 Pferde“ - so nennt sich stolz das kleine Ampflwang in Oberösterreich. Familie Henning hat sich für BANGERANG aufs „Hohe Ross“ gesetzt.
Ganz ehrlich, der Po und die Oberschenkel zwacken nach unserem ersten Reitvormittag schon ganz ordentlich. Überhaupt spüre ich Muskeln, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass ich sie habe. Kein Wunder, denn es heißt ja nicht ohne Grund: „Reitsport“. Eineinhalb Stunden als Anfängerin sich in gerader Haltung auf dem Pferderücken zu behaupten, fordert eben die „ganze Frau/den ganzen Mann/das ganze Kind!“ Reitlehrerin Steffi will, dass wir unsere Pferde um Hindernisse dirigieren lernen. „Wenn´s Ihr wollt, dass Euer Pferd rechts am Hindernis vorbei läuft, dann müsst ihr´s am rechten Zügel ziehen und kräftig links die Unterschenkel anpressen. Bitte Gaby, Du fängst mit „Rasta“ an.“ Bestimmt schnalze ich mit der Zunge und drücke „Rasta“ beide Schenkel kräftig in die Seite, damit sie sich in Bewegung setzt. Das Islandpferd geht geduldig los und ich versuche eine gute, aufrechte Reitfigur zu machen. Dann die Herausforderung: „Rasta“ soll um die aufgestellten orangefarbenen Hütchen herumdirigiert werden. Ich ziehe also rechts am Zügel und presse den linken Unterschenkel. Doch „Rasta“ reagiert nicht richtig. Also presse ich irgendwie mit dem ganzen Körper, um dem Pferd die Richtung zu weisen. Jetzt macht „Rasta“ brav, was ich will. Ich klopfe ihr freudig auf den Hals und freue mich über Steffi´s Lob: „Passt schon, Gaby. Das macht ihr beide sehr ordentlich.“
Doch wie ich jetzt weiß, bringt das „Ganzkörperpressen“ am nächsten Tag einen kräftigen Muskelkater. Ein Tag „Reitpause“ tut allen gut, befindet meine Familie und wir wollen erleben, was die Region an weiteren Urlaubsaktivitäten bietet. Sicherlich, Ampflwang hat sich ganz dem Reitsport verschrieben, denn immerhin kommt statistisch gesehen auf jeden 6. Bewohner ein Pferd. Der Hausruck gilt als die Nummer 1 der österreichischen Pferdedestinationen. Mit fünf Reithallen, zwei Sand- und zwei Ovalreitbahnen und über 400 km Reitwegen im Hausruckwald zeigt sich das kleine Dorf „in allen Sätteln zu Hause“. Pionier Joseph Mayr, Besitzer des Reitzentrums, legte ganz unspektakulär vor 40 Jahren mit zwei Eseln für seine Kinder den Grundstein für das heutige Reiterdorf. Mit 380 Islandpferden ist das Reit- und Pferdezentrum heute das größte Isländer-Gestüt Europas.
In der Tourismusinformation sind wir ganz überrascht zu erfahren, dass in der Region Braunkohle abgebaut wurde. „Ja, wir sind Teil der „Oberösterreichischen Kohlestrasse“ und haben uns dafür eingesetzt, dass heutige Besucher die historische Bergbauwelt durch Ausstellungen, Schaustollen und Informationen von ehemaligen Bergleuten die schwere Arbeit „unter Tage“ ganz intensiv erleben können“, erklärt begeistert Tourismusobmann Nikolaus Pollhammer. „Fahrt´s zur ehemaligen Bergbausiedlung Scheiben. Das ist ein spaßiger und lehrreicher Ausflug für die ganze Familie.“ Sein Tipp ist prima. Begeistert sausen wir drei auf einer Art Schienenfahrrad einen 3,5 km langen Rundkurs entlang. „Schaut mal“, ruft Christin aufgeregt, „da stehen komische Gestalten im Wald. Die sehen echt aus wie Wichtel!“ Bergmann Rudolf Dallinger, dem wir bei der Führung im kleinen Museum im Bahnhof Scheiben von der „Wichtelbegegnung“ erzählen, behauptet nur, dass er die Gestalten häufig sieht, aber nicht weiß, wer sie sind. Rudolf Dallinger war 36 Jahre Bergmann in Scheiben und meint lakonisch:
„Ja, bei der Braunkohle war nur gut, dass Du keine Staublunge gekriegt hast.“ Christin ist im Museum tief beeindruckt von der schriftlichen Erzählung der Bergmannstochter Hermi Kaiser Raab, die eindringlich schildert, welch ein schweres Leben die Menschen in der Bergarbeiterkolonie führen mussten.
Da sind wir froh, dass wir uns nur Muskelkater vom Freizeitvergnügen Reiten holen werden und nicht „unter Tage“ schuften müssen. „Glück auf!“